Der Lichdi-Laden hat eine lange Tradition

 

Kolonialwarenläden - wie das Lichdi-Lädle - entstanden im Zuge der Kolonialisierung und Industrialisierung in Verbindung mit der Bevölkerungsverdichtung in den Städten zuerst in England, später in Frankreich und nach 1871 im Deutschen Reich. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung waren der einsetzende freie, uneingeschränkte Warenverkehr sowie die infolge der Verstädterung nachlassende Selbstversorgung. Sie wurden von Industriefirmen, Verbraucherorganisationen und von innovativen Einzelhändlern aufgebaut. Zu letzteren gehörte in Deutschland die Familie Lichdi.

 

Adolf Lichdi war der Sohn einer mennonitischen Gutspächterfamilie mit Schweizer Wurzeln, die aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten keinen Gutshof mehr anpachten konnten. Seine Mutter Dina Lichdi eröffnete deswegen in Kirchhardt bei Sinsheim ein Lebensmittelgeschäft. Ihre Söhne wurde infolgedessen - nicht wie eigentlich damals in der Familie üblich Gutspächter - sondern Kaufleute. Der älteste Bruder Jakob eröffnete ein Geschäft in Eberbach, der Bruder Gustav ein Geschäft in Heilbronn, das die Keimzelle für das spätere Lichdi-Filial-Unternehmen wurde.

 

Die Geschichte des heutigen Lichdi-Ladens begann im Jahre 1905, als Adolf Lichdi aus Ersparnissen seinen ersten Kolonialwarenladen in der Plöck in Heidelberg eröffnete. Noch im selben Jahr kaufte er in Sinsheim an der Elsenz das Anwesen am „Carlebuckel" direkt an der Hauptstraße, wo er dann auch sein Geschäft hinverlegte. Adolf Lichdi hatte alle Dinge für den täglichen Bedarf und war außerdem die beste Adresse für ausgefallene Köstlichkeiten wie zum Beispiel frisches Wild, welches der Hausherr persönlich im Kraichgau erlegte und zum Verkauf brachte. Nach dem Tod von Adolf Lichdi im Jahre 1933 wurde seine Frau Kätchen Lichdi Inhaberin des Kolonialwarenladens in Sinsheim. Im Jahr 1960 übernahm ihr Enkel Wolfram Glück die Geschäftsführung.

 

Im Jahr 1978 wurde der Konkurrenzdruck durch die großen Handelsketten zu groß und Wolfram Glück wechselte als Marktleiter und Revisor selbst zu einer der großen Lebensmittelketten dieser Zeit. Vor dem Abriss der großväterlichen Geschäftsräume wurde der wertvolle Bestand, die alten Verpackungen, die alte Registrierkasse sowie weitere Raritäten vor dem Abriss gerettet und im Keller seines Hauses für die Nachwelt bewahrt.

 

Wolfram Glück blieb seinen Wurzeln verbunden und machte die Tradition zu seinem Hobby. Den kompletten Laden - vom Schubladenschrank bis hin zur original Papiertüte - hat Wolfram Glück aufbewahrt und bis heute gehegt und gepflegt.